| phone: +49 176 1033 58 62 | info@zeitgewinn-hamburg.de

VW Effizienz Initiative oder früher Aprilscherz?

Effizienz-Crashtest

VW Effizienz Initiative oder früher Aprilscherz?

Posted by Andrea Kaden in Produktivität und Zeitmanagement 01 Apr 2015

Ich bin erschüttert, da ich in der Welt lese „Der Autobauer Volkswagen reduziert den Einsatz der Präsentationssoftware Powerpoint.“ Was für ein Fortschritt!

Nicht nur, dass das der „Welt“ einen Artikel wert ist, finde ich befremdlich, sondern vor allem die Hintergründe der „story“ sind schwer nachzuvollziehen. Die Forderung des Generalsekretariats „Less paper, more pepper“ allein finde ich noch klasse. Aber alles, was sich dahinter verbirgt, scheint mir doch sehr angestaubt und unzeitgemäß:

 

In Wolfsburg tritt das Führungsgremium montags zusammen. Stichpunkte sollen deshalb bis Donnerstagmittag eingereicht werden, „an alle Teilnehmer“ und „in Papierform“. In Papierform? Im Jahr 2015? WTF!

 

Und dann der Satz: „Selbst auf diesem Feld schlägt sich die Effizienz-Verordnung des Konzerns nieder.“ Was bitte soll daran effizient sein? Ok, dass es einen Termin für die Einreichung gibt, ist sinnvoll. Aber dass alle Themen für alle Teilnehmer in Papierform eingereicht werden, ist absolut nicht effizient. Das Papier wird produziert, an eine zentrale Stelle getragen, dort sortiert und wahrscheinlich entsprechende Stapel für die Teilnehmer zusammengestellt und wieder ausgeteilt. Das ist a) Papierverschwendung, vor allem aber b) Verschwendung von Zeit.

 

Das heißt, jeder Teilnehmer bekommt einen Stapel Papier mit allen Themen, ob er das braucht/will oder nicht. Wieso liegen die Themen nicht zentral in einem elektronischen Ordner/System, wo jeder der Teilnehmer im Führungsgremium Zugriff hat. Man kann doch von einem Führungsgremiumsmitglied eines hochtechnologischen Konzerns erwarten, dass er/sie sich weitgehend am Computer vorbereiten kann, oder? Was ist das für ein altmodisches Gebaren, sich vom Sekretariat einen Stapel mit Infos vorlegen zu lassen, die in einem anderen Medium bereits vorhanden, gespeichert und gepflegt werden können. Jeder könnte im System nachschauen und sich zu der für ihn passenden Zeit vorbereiten.

 

Und wenn nach der „hochmodernen“ Verordnung die grafischen Darstellungen nur im Anhang auftauchen, aber keine für die Entscheidungsfindung relevanten Informationen enthalten dürfen, dann kann sie auch gleich weglassen werden, oder? Man stelle sich vor, alle Führungsgremiumsmitglieder (derzeit hat VW neun Vorstandsmitglieder, ich vermute jedoch dass der Kreis der Führungsgremiumsmitglieder größer ist) lassen jede Woche 20 seitige Anhänge mit grafischen Informationen, die ohnehin nicht entscheidungsrelevant sind, produzieren. Das würde mindestens 180 Seiten pro Woche pro Person ausmachen. Und das für die Katz, denn wichtige Infos sind ja nicht drin. Abgesehen davon: Wird das überhaupt jemand lesen?

 

Je häufiger ich auf den Artikel schaue, desto abenteuerlicher kommen mir die Zeilen vor. Da möchte ein Konzern weltgrößter und bester Autobauer sein und veröffentlicht oder lässt veröffentlichen, dass es auf dem Feld der Effizienz-Verordnung weitere Erfolge zu vermelden gibt: „Manager und Ingenieure sollen Ihre Vorlagen links oben heften, statt Plastikhefter zu benutzen.“ Ist das ein Scherz? Hoch ausgebildeten Leuten muss gesagt werden und das auch noch in einer Verordnung, wie sie Ihre Papiere vorzubereiten haben? Dazu denke ich:

 

  • Wieso gibt es überhaupt noch Papiervorlagen?
  • Wieso können die Gremienmitglieder Ihre Inhalte nicht frei oder mit ein paar Stichworten vortragen?
  • Wieso kommen die Leute nicht selbst darauf, hinzuschauen, dass es auch anders und kostengünstiger geht?
  • Und wieso braucht es für eine solche Änderungen eine schriftliche Verordnung, an der wahrscheinlich zig Leute lange gefeilt habe, anstatt eine klare kurze Ansage. Von Mitarbeitern mit diesen Ausbildungs-Hintergründen dürfte man erwarten, dass sie eine solche Änderung spielend und ohne weitere Erinnerung in ihren Arbeitsalltag integrieren können.

Wenn der Artikel von VW lanciert wurde, was ich vermute, war das keine Sternenstunde der PR-Abteilung. Er macht deutlich, dass die höchste Etage des Konzerns Prozesse und Arbeitsmittel von vorgestern nutzt. Oder wenn ein Journalist das für eine berichtenswerte Geschichte und ein Vorbild an Effizienz hält, lebt auch dieser im Vorgestern. Es wird von den VW-Mitarbeitern permanente Änderungsbereitschaft erwartet, aber in den oberen Etagen wird das nicht vorgelebt.

 

Selbst viele kleine Unternehmen bekommen das inzwischen hin, dass

  • die Informationen für ein Meeting zentral abgelegt werden
  • die Teilnehmer sich vorbereiten und sich nicht im Meeting gegenseitig vortragen, was ohnehin in der Vorbereitung steht
  • ein großer Bildschirm oder Leinwand im Meetingraum hängt, auf den alle gemeinsam schauen, Änderungen direkt vornehmen und jeder seine Notizen nur auf dem iPad o.ä. macht

die Informationen für ein Meeting zentral abgelegt werden

die Teilnehmer sich vorbereiten und sich nicht im Meeting gegenseitig vortragen, was ohnehin in der Vorbereitung steht

ein großer Bildschirm oder Leinwand im Meetingraum hängt, auf den alle gemeinsam schauen, Änderungen direkt vornehmen und jeder seine Notizen nur auf dem iPad o.ä. macht

 

Mein Fazit: Ich finde das als Pressemeldung (zahlreiche Medien berichten darüber) oder was auch immer es ist, einfach nur total banal und peinlich und erst recht für einen Konzern, der sich selbst als hochmodern sieht.

 

 

 

 

 

 

  • C: Westphal 15. Oktober 2015 at 00:22 / Antworten

    Ja, bei all den Meldungen die Volkswagen in den vergangenen Wochen und Monaten produziert hat ist das wohl eine der peinlichsten. Das bei den Abgaswerten geschummelt wurde, wahrscheinlich weltweit, ist leider eine Sache die, das sollte niemanden erschrecken, bei vielen Autobauern vermutet wird. Wie schon gesagt handelt es sich um eine der fortschrittlichsten Branchen, mit unmengen GELD.
    Dieses weltfremde Verhalten und die miese Einstellung zu Emisionen, zum ökologischen Gedanken, zur Ethik war wohl der beginnende Selbstmord eines Weltunternehmens.
    Grundsätzlich aber ist es ein Armutszeugnis und eine traurige Gewissheit…
    „Denen in den Chafetagen ist es doch egal wie es unserer Welt geht und das Papier ein Umweltkiller ist.

    Alle Deutschen zusammen verbrauchen 20 Mio Tonnen Papier pro Jahr.
    Das ist so viel, wie Afrika und Südamerika zusammen.
    Das ist ein 600 km langer Güterzug mit 40000 Waggons
    oder ein Turm aufeinander gestapelter DIN A4 Blätter von 16000 km Höhe
    (Die internationale Raumstation ISS kreist in einer Höhe von 400 km)

    Ausgangsstoff
    7,5 KG Holz 2,8 KG Altpapier
    Wasserverbrauch 130,2 l 51,1 l
    Energieverbrauch 26,8 kWh 10,5 kWh
    CO2-Emmission 2,6 Kg 2,2 Kg

    Wenn nun gerade die GROSSEN Firmen diese Überlegungen anstellen und in PAPERLESS umsetzen würden könnten wir Deutschen unsere 250kg pro KOPF zumindest schon einmal deutlich senken und als Abfallproduckt neben dem rein ÖKO-Gedanken könnten diese Firmen wie VW + Co dann Millionen einsparen.

    Das neue Zeitmanagement würde die Mitarbeitereffizienz deutlich erhöhen (20-30%)
    und finanziell…. Weniger Stromverbrauch, weniger Logistikkosten, weniger Druckerkäufe, weniger Drucker- Ersatzteile, weniger Druckerfarbe, weniger Servicepersonal Kosten, weniger Papier… um nur die auffallensten zu nennen.

    • Andrea Kaden 18. Oktober 2015 at 09:34 / Antworten

      Danke für die umfangreichen Info Herr Westphal, Spannend!

Schreiben sie ein Kommentar

Facebook
LinkedIn
Xing
Soundcloud